"Koreaner auf der Suche nach der Urform
ihrer Lebensweise"
Niederschrift einer Sondersendung aus
dem Programm von Radio Korea International, ausgestrahlt am 29.Februar
2000
Abschrift nach einer Cassetten-Aufzeichnung
von Thomas Schneider.
Diese Sondersendung ist
auch über den Cassettenservice von Th.Schneider erhältlich.
Der Text ist ebenso als
Word-Dokument im Downloadbereich der Homepage vorhanden.
Anmerkung:
Koreanische Namen und Bezeichnungen
nach Gehör wiedergegeben.
Wenn
der Mond hinter den Bergen aufstieg, begannen die Frauen die Wäsche
mit Schlegeln zu glätten. Um die Arbeit zu beenden, bevor die Kinder
zu Abend gegessen hatten, schlugen die Mütter pausenlos auf die Wäsche.
Um ein Tuch zu gewinnen, das gerade einmal so groß ist, dass man damit ein Kleid nähen konnte, mußte man die ganze Nacht hindurch am Webstuhl arbeiten. In diesem Sinne war die traditionelle Tracht Hanbok das Ergebnis langen Wartens und geduldiger Fügung.
Kleidung ist für die Koreaner der Ausgangspunkt aller Höflichkeit. Man könnte sagen, daß die koreanischen Kleidungen vor allem dazu dienten, den Körper zu verhüllen. Verständlicherweise wurden diese dementsprechend angefertigt. Die Kleider der Frauen sowie die der Männer wurden so hergestellt, daß der Körper nicht zum Vorschein kam.
Eine liederliche Frau wurde daher als ein "kurzer Rock aus feinem Ramie-Stoff" bezeichnet, denn je feiner ein Ramie-Stoff ist, desto besser kann man hindurchschauen. Die Haut einer Frau, die man durch einen Rock aus Ramiestoff sehen konnte, genügte offensichtlich, um die Männer zu verführen. In Korea wurde hingegen auch Ramie-Stoff in mehreren Schichten übereinander gelegt. Die Kleider wurden so zusammengezogen, daß der Körper versteckt wurde. "Leicht versteckt und nicht enthüllt", so könnte man die Eleganz der koreanischen Kleidung bezeichnen. Die traditionelle Tracht Hanbok ist eine "Tracht des Bindens und des Lösens".
In der ersten Nacht nach der Hochzeit entkleidete
der Bräutigam die Braut, aber in Korea wurde in keinem Fall der Ausdruck
"Ausziehen" benutzt. Man sagte, daß der Bräutigam den Rock der
Braut "auflöste". Denn der Rock der Braut war mehr als nur eine Kleidung.
Die Handlung des Entkleiden hatte eine symbolische Bedeutung.
Der Frau wurde damit die Verhüllung
des Körpers, der lange und sorgfältig verborgen worden war, entfernt.
Auch das Geld, das man einer Gesellschafterin
überreichte, wurde "das Geld für das Enthüllen" genannt.
Mit der Hanbok-Tracht wurde nicht nur der
Körper, sondern auch verschiedene Gefühle wie Liebe, Freundschaft,
Treue und Respekt eingehüllt. Von der Unterwäsche bis zur Oberbekleidung:
alle Bestandteile der koreanischen Tracht Hanbok waren eine "Ästhetik
des Einhüllens".
Was ist die Schönheit der Hanbok-Tracht ?
Die Kleidung war ein Symbol für Menschenwürde. Heutzutage wird der Körper offen gezeigt. Aber früher wurde er in mehreren Schichten eingehüllt. Jemand der sich so kleidete, sah vornehm und anständig aus. Kleider, die am Körper kleben, sind bequem, aber sie sehen unsittlich aus und haben keine Tiefe, dachte man.
Das erste, was einem einfällt, wenn
über die traditionelle Tracht Hanbok gesprochen wird, ist wahrscheinlich
die "Tsoburi"-Jacke. Die Randleiste unter dem weißen Kragen, und
der die Brust umgibt und die Ärmel, die so breit waren, dass man damit
den Himmel umarmen könnte. Die Tsoburi-Jacke, zusammen mit dem
spitzen Vorderteil der Socken: das repräsentativste Image, das eine
koreanische Frau symbolisiert. Die Jacke ist der Oberteil der traditionellen
Kleidung und wurde bereits in den altertümlichen Zeiten der drei Königreiche
von Frauen sowie auch von Männern getragen. Zur Zeit der drei Königreiche
reichte diese Jacke bis zur Hüfte und hatte röhrenförmige
Ärmel. Die Jacke hatte unter anderem einen Kragen, einen Saum und
eine Randleiste. Wenn man sie auffaltet kann man sehen, daß sie aus
einer einzigen Linie besteht. Wenn man die Jacke anzieht und deren Ärmel
zur Seite hochhält, so sieht man, daß die unteren Seiten der
Ärmel die Form eines Halbkreises haben. Dieser Halbkreis, der die
Sonne oder auch den Mond repräsentieren könnte, ist ein Beispiel
der sogenannten "Schönheit der Rundlichkeit", die für Korea charakteristisch
ist. Diese Schönheit ist auch an dem Bindfaden zu entdecken, mit dem
der Rock zusammengezogen wurde: Der Bindfaden wurde so gebunden, daß
man ihn leicht aufziehen konnte. Unter der Oberbekleidung wurden vier bis
fünf Unterbekleidungen getragen. Die Ästhetik des Verhüllens
ist sozusagen erst unter der Oberbekleidung richtig zu entdecken.
Ausschnitt aus einem Buch über frühere traditionelle Kleidung in Korea
Die Alltagsbekleidung einer Frau
der Choson - Dynastie bestand aus folgenden Kleidungsstücken:
Oben trug man eine Jacke, und eine ungefütterte
"Choksam"-Jacke. Unten trug man u.a. einen Rock, einen Unterrock, und eine
Hose. Die Füße wurden von Socken und Strohschuhen bekleidet.
Je mehr Kleidungsstücke man trug, desto höher wurde man unter
den Frauen geschätzt.
Gab es eigentlich auch eine Art Mode ?
Die Antwort lautet Ja. Was die
Jacke anging, gab es eine - wenn auch bloß schlichte - Mode:
Die Jacken der Männer z.B. reichten bis zum Schritt, was sich seit
der Zeit der drei Königreiche nicht verändert hat. Die
Frauen dagegen passten sich der Mode an: indem sie die Länge der Jacke
änderten. Gegen Mitte der Choson- Dynastie begannen die Tsoburi-Jacken
immer kürzer zu werden. Nach dem Korea-Japan-Krieg 1592 wurden sie
so kurz, daß man - einem alten Dokument zufolge - die Brust
nicht ganz bedecken konnte. Gegen Ende der Choson- Dynastie wurden die
Jacken nicht nur kürzer sondern im Ganzen auch kleiner.
Der Gelehrte Yi- su-wan behauptete in
seinem Buch, daß dies auf den Einfluss der mongolischen Kultur zurückzuführen
sei
Veränderungen der Tracht Hanbok:
Das Bild zeigt
ein sehr kleines Schwert mit Troddel an einem Hanbok. Die Frauen trugen solche Schwerter, um ihre Unschuld zu schützen.
Die deutlichsten Veränderungen erlebte die traditionelle Tracht Hanbok in der Übergangszeit von der Koryo- zur Choson-Dynastie. Durch den Freundschaftsvertrag mit der Mongolei wurde der mongolische Stil in Korea populär. Der mongolische Stil wurde in allen Bereichen nachgeahmt. Die Kopfbedeckung, die Jacken, sogar die Knöpfe wurden nach mongolischem Stil angefertigt. In der Koryo-Dynastie waren die Jacken ziemlich lang, aber durch den Einfluß der mongolischen Kultur wurden sie nach und nach kürzer. Am Ende der Choson- Dynastie wurden sie dann sehr kurz.
Untersucht man die Geschichte der koreanischen Kleidungen, so kann man feststellen, daß sie in Zeiten einer staatlichen Krise besonders kurz waren. Wenn die Kleider der Frauen kurz und unsicher aussahen, befand sich das Land in Schwierigkeiten. Wenn sie jedoch bequem aussahen, dann herrschten friedliche Zeiten.
Die chinesische "Chimni", der koreanische
"Hanbok" und die japansiche "Kimono"-Kleidung haben etwas gemeinsam - und
zwar umhüllen sie den Körper.
Aber hinsichtlich ihrer Urform unterscheiden
sie sich in großem Maße.
Über die Kleidungskultur der drei Länder China, Korea und Japan
Die chinesische Chimni-Kleidung war ursprünglich einteilig. Ein besonderes Merkmal der koreanischen Hanbok-Tracht ist es, daß sie aus zwei Teilen, also einer Hose und einer Jacke besteht. Der japanische Kimono besteht aus einem großen Tuch. Die japanischen Kleider wurden von der südlichen Kultur stark beeinflußt und sind daher länger. China ist ein riesiges Land mit vielen Völkern, weshalb man die chinesische Kleidung nicht in einem Wort beschreiben kann. Das koreanische Volk trug eine Hose und eine Jacke Die Hosen waren so angefertigt, daß man bequem arbeiten konnte. Sie wurden am Fußknöchel zusammengebunden. Der Rock war der wichtigste Teil der Frauenbekleidung. Darunter trug man Unterkleider.
Die Besonderheit der Hanbok-Kleidung ist ihre räumliche Struktur, die durch die runden Linien und die lockere Form geschaffen wird. In der Choson-Dynastie lebte ein Maler mit dem Namen Shin yun-bok. Auf seinen Gemälden kommen viele Frauen vor. Die Frauen auf diesen Gemälden tragen runde und kleine Röcke, auf denen man gemütlich einschlafen könnte, denn die Röcke der Koreanerinnen hatten ein solch großes Volumen, weil man darunter viele Unterkleider tragen mußte. Der koreanische Hanbok soll auch die Kleidungen der Nachbarländer stark beeinflußt haben. Der japanische Kimono stammt von der traditionellen Kleidung des "Arino-Volkes" und besteht aus einem großen Tuch, das unten um die Beine gewickelt und oben über die Schultern gehängt wurde. Es ist keine konfuzianische Kleidung. Aber später entstand durch den Einfluß der koreanischen Kultur eine Kleidung, die aus Hose, und Jacke bestand. In der "Haejan-Epoche" entwickelte sich diese Kleidung in einem für Japan charakteristischen Stil, der bis heute überliefert wurde. Der japanische Kimono ist ein großes Tuch. An der Hüfte wurde ein Kleidungsstück namens "Ogi" angezogen. Der Kimono ähnelt am unteren Teil einer aufgeblühten Blume, und am oberen Teil einem Zweig.
In der Shilla-Dynastie Koreas waren die Röcke mit Trägern ausgestattet, die sehr praktisch waren. Der Rock wurde sozusagen über die Jacke angezogen. In der Choson-Dynastie wurden die Jacken immer kürzer. Der Unterrock, der vom äußeren Rock umhüllt war, machte den Hanbok noch schöner. Die koreanischen Röcke wurden um den Körper gehüllt. So konnten Linien verschiedener Formen zum Ausdruck gebracht und körperliche Unschönheiten versteckt werden.
Man sagt, daß eine gute Gesellschafterin
mit einem Mann kokettieren konnte, indem sie den Rock fest bzw. locker
zusammenzog. Wenn sich nicht wollte, daß der Umriß ihres Körpers
zu sehen war, dann trug sie den Rock locker.
Wenn sie dagegen jemanden verführen
wollte, zog sie den Rock fest zusammen.
Es soll fünf Stufen gegeben haben,
sich auszudrücken:
Ausschnitt aus dem Buch "Die koreanische Kleidung"
Oan (Wan) ist der Begriff für die Kleidungsart, bei der die Linien des Körpers überhaupt nicht zu sehen sind.
Bei der Kleidungsmethode namens Yon ist der Umriß des Körpers nur zu sehen, wenn man sich bewegt.
Pho ist die Art und Weise, des Kleides, bei der die Linie des Körpers teilweise zum Vorschein kommt, auch wenn man sich nicht bewegt.
Zieht man sich nach der Koe (Kö) - Methode an, so kann man den Umriß aller Teile des unteren Körperteiles sehen.
Khim bedeutet, daß man die Kleidung
so fest zusammenzieht, und um den Körper wickelt, daß man in
einem mit der Öllampe beleuchteten Zimmer denken könnte, man
wäre nackt.
Die
Hanbok-Kleidung wurde je nach dem fest oder locker um den Körper gewickelt.
Am Ende der Choson-Dynastie war es auch unter den Frauen vornehmer Familien
eine Mode, die Röcke fest zusammen zu ziehen. Wären die
Röcke nicht von Anfang an locker angefertigt, würde es auch nicht
auffallen, wenn man sie zusammen ziehen würde. Wenn man einen koreanischen
Rock ausbreitet, dann hat er die Form eines einfachen Einschlagtuches.
Der koreanische Hanbok war eine elegante Kleidung für sittenstrenge,
sowie auch für kokette Frauen.
Die wahre Eleganz eines Hanbok kommt hingegen
erst zum Vorschein, wenn alle Teile richtig angezogen sind. Die alten Koreaner
gingen nur mit Unterkleidung, Mantel und Hut aus dem Haus.
Erwachsene, sowie Kinder, mußten
Rock, Jacke und Mantel anziehen. In den Zeiten, in denen es an lebensnotwendigen
Dingen mangelte, wurden auch die Kinder bedürftiger Familien mit bunten
Hanboks gekleidet, auch wenn man es sich nicht leisten konnte, Stoff für
neue Kleidung zu kaufen.
Über die Weisheiten der Koreaner,
welche die schweren Zeiten
zu überwinden wußten
Für die bunten Kleider der Kinder wurde nicht extra neuer Stoff gekauft. Man benutzte die restlichen Stücke, die nach der Herstellung der Kleider für die Erwachsenen übrig geblieben waren. Der Asiatischen Lehre des "positiven-negativen" und der fünf Grundelemente des Universums nach wählte man Jacken, um alles Böse zu vertreiben und jemandem Glück zu wünschen.
Die Grundbestandteile einer koreanischen Kleidung für das Ausgehen waren Rock oder Hose, Jacke und Mantel. So mußte man sich anziehen, um höflich zu wirken. Wenn man keinen Mantel hatte, zog man eine lange Weste namens "Tsonbok" an.
In Korea waren Farbstoffe sehr teuer, und wertvoll. Trotzdem wurden Kinder mit bunten Hanboks gekleidet. Die Farben wurden nach der "Ömyang-oheng-Lehre" angeordnet, denn man glaubte, daß die Kinder dann gesund aufwachsen werden. Die Erwachsenen dagegen konnten nur selten gefärbte Kleider anziehen. In Geschichtsbüchern steht, daß die Koreaner weiße Kleider bevorzugten. Das ist nicht zuletzt darauf zurück zu führen, daß es an Farbstoffen mangelte. Besonders rote "Hoa"-Blumen, von denen man roten Farbstoff gewann, waren sehr kostbar. Daher konnte meist nur der König rote Kleidung anziehen.
Was die Kleidung anging, gab es von der Zeit der drei Königreiche bis zur Choson- Dynastie in Korea viele Vorschriften. Für jede Gesellschaftsklasse gab es, besonders in Zusammenhang mit der Farbe der Kleidung, verschiedene Regeln
Erstens wollte man damit die unterschiedlichen
Klassen voneinander unterscheiden, und zweitens wollte man vorbeugen, daß
die Leite verschwenderisch werden.
Es wurde vorgeschrieben, welche Stoffe
und Farben man benutzen durfte. Seide wurde zum großen Teil aus China
importiert und durfte nur am Königshof oder von der oberen Gesellschaft
verwendet werden. Rot und Gelb galten als die Farben des Königs. Das
Volk, aber auch die Gelehrten durften keine Kleidung in diesen Farben tragen.
Später, am Ende der Choson-Dynastie, wurde es erlaubt, rot für
Hochzeitskleider zu benutzen. Gelb war jedoch nach wie vor verboten.
Um dem vorzubeugen, daß die Reichen
ein verschwenderisches Leben führen, wurde es gesetzlich verboten,
Kleidungen bestimmter Farben anzuziehen. Die Hochzeit, eine einmalige Feier
im Leben, war jedoch eine Ausnahme. Am Hochzeitstag gab es keinen Unterschied
zwischen Armen und Reichen.
Die Hochzeitskleider der Choson-Dynastie
Foto: traditionell gekleidete Braut
Früher
lernten sich die Braut und der Bräutigam am Hochzeitstag zum ersten
Male kennen. Das Hochzeitskleid der Braut hatte fünf Farben. Es sind
die Farben, die der "Ömyang-oheng-Lehre" zufolge die Welt darstellen.
Grün symbolisiere den Osten, Weiß
den Westen, Rot den Süden und Schwarz den Norden. Die Farbe gelb symbolisierte
die Mitte, also das Zentrum und damit den König. Früher durfte
man unabhängig von der Gesellschaftsschicht ausnahmsweise am Hochzeitstag
eine bunte Kleidung anziehen. Die Braut trug auch eine Kopfbedeckung namens
"Chukduri" .Wenn man sich kein fünffarbige Kleidung leisten konnte,
zog man ein Kleid aus roter und grüner Farbe an.
Die Koreaner lehnten es freiwillig ab,
bunte Kleider anzuziehen, weil es früher an Farbstoff mangelte. Aber
bei einer Hochzeit bzw. am 60.Geburtstag einer Person, was in Korea bis
heute groß gefeiert wird, wurden bunte Kleider sorgfältig vorbereitet.
Dafür mußten die Frauen jedoch fleißig arbeiten. Sie mußten
die Nacht hindurch am Webstuhl arbeiten und die Stoffe für die Kleider
mit größter Hingabe färben. Indigoblau gehört zu den
repräsentativsten Farben Koreas.
Wie wurde ein Tuch gefärbt
Indigo gewinnt man von der einjährigen Indigopflanze. Pflanzen, die runde, dicke und grobe Blätter haben, sind besonders gut geeignet. Diese Blätter werden in einen mit Wasser gefüllten Krug gelegt. Nach sieben Tagen fließt aus den Blättern Farbe heraus. Das gefärbte Wasser wird mit Kalk vermischt und mehrmals gerührt. Dann setzt sich ein Stoff ab, den "Namsun" genannt wird. Dieser Farbstoff wird aufbewahrt und zerkleinert. Für das Färben eines Tuches ist ein kühler Tag geeignet. Denn wenn es zu warm ist, verdirbt der Farbstoff und bekommt eine rötliche Farbe. Um eine klare Farbe zu gewinnen, muß man den Farbstoff mehrmals mit kaltem Wasser spülen. Dabei muß man die Hände schnell bewegen, sonst bekommt das Tuch eine rötliche Farbe. Daher sagt man auch, daß eine Frau faul und langsam ist, wenn die Kleidung ihres Mannes eine indigoblaue Farbe hat, die noch rötlich schimmert.
Der gefärbte Stoff muß im Schatten
getrocknet werden. Wenn man dazu fächelt, verfärbt der Stoff
für längere Zeit nicht.
Wenn man bei der Färbung nicht aufpaßte,
konnte es passieren, daß das Tuch, für welches man die Nacht
hindurch gewebt hatte, unbrauchbar wurde. Daher arbeiteten die alten Koreanerinnen
mit größter Hingabe, wenn sie neue Kleider anfertigten. Bei
der Anfertigung von Kleidung gab es viele Dinge die man beachten mußte,
dementsprechend mühevoll war diese Arbeit.
Bräuche der alten Koreaner
In Zusammenhang mit Kleidern gab es ziemlich viele Tabus. Besonders beim Nähen oder bei der Herstellung von Totenhemden gab es viele Verbote.
Eine Braut oder einem Bräutigam wurden z.B. gefütterte oder mit Watte gefüllte Kleider, jedoch keine ungefütterten Kleider geschenkt. Denn man glaubte, daß dann das Paar auf dem Weg in die Zukunft ansonsten auf Schwierigkeiten stoßen könnte.
Wenn man jemanden einen Faden abschnitt, band man keine Schleife. Denn man glaubte, daß sich zusammen mit der Schleife auch die Freundschaft auflösen würde.
Ein anderes Tabu war es, aus einem Unterkleid Oberbekleidung zu nähen, was man früher, als es an Stoff mangelte, hin und wieder machte. Man glaubte, das dies ein Eitergeschwür hervorruft.
Man glaubt auch, daß man lange lebt, wenn man im Traum einen Faden sieht, oder daß eine Frau einen an einem fernen Ort lebenden Mann heiratet, wenn ein Faden, den sie abgeschnitten hat, zu lang ist.
Wenn ein Kind hundert Tage alt wurde, kleidete man es in ein mit hundert Faden genähten Kleid, was Krankheiten von dem Baby fernhalten sollte.
Außerdem glaubte man, daß eine Kleidung die Energie der Person, die sie getragen hat, aufsaugt, und eine geheimnisvolle Kraft in sich trägt. Das bedeutet, daß die Verbindung zwischen Mensch und Kleidung sehr wichtig war.
Man glaubte, daß eine Frau einen
Sohn bekommt, wenn Unterwäsche einer Frau, die bereits viele Söhne
zur Welt gebracht hat, in ihren Besitz kommt. Früher bevorzugte man
Jungen vor Mädchen. Man glaubte, daß die Unterwäsche das
Glück einer Frau, die viele Söhne geboren hat, sich auf andere
Frauen überträgt.
Einer Braut schenkte man z.B. eine Decke,
in der die Unterwäsche einer Frau mit vielen Söhnen hineingelegt
wurde.
In der traditionellen Gesellschaft genossen
die Männer ein Privileg. Daher legte man die Kleider der Frauen niemals
auf die Kleider der Männer. Aber diese Gewohnheiten waren mehr als
nur ein Aberglaube. Die Kleider wurden nicht nur von einer Person angezogen.
Sondern auf diese weise von Generation zu Generation überliefert.
So konnte auch das Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen den Koreanern
gestärkt werden.
Ramie-Stoffe
Ein Kleiderstoff, der unbedingt erwähnt
werden muß, wenn es um traditionelle Kleider geht, ist Ramie-Stoff.
Man kann ein Tuch nicht alleine weben. Dafür ist die Webarbeit zu
kompliziert. Normalerweise schlossen sich etwa zehn Personen, meistens
die Nachbarn, die in einer Gasse nebeneinander lebten, zu einer Gruppe
zusammen. Diese Gruppe half dann zuerst der Familie, die im ersten Haus
in der Gasse lebte.
Die Ramie-Pflanzen wurden tagsüber
auf dem Vorhof bearbeitet. Aber geflochten wurden sie auf keinen Fall draußen
am hellichten Tag, sondern in einem dunklen Zimmer bzw. unter dem Mondschein
in der Nacht. Denn dabei arbeiteten die Frauen mit offen gelegten Schenkeln.
Wenn es sich im Dorf herumsprach, daß die Frauen Ramiepflanzen flechten, waren alle Männer aufgeregt, manche kletterten über die Mauer, um unter dem Mondlicht einen verstohlenen Blick auf die weißen Schenkel der Frauen zu werfen.
Die Tücher aus Ramiestoff, die so
hergestellt wurden, gehörten zu den wertvollsten Waren der Choson-Dynastie.
Auch heutzutage ist Ramie-Stoff in der Modewelt sehr beliebt.
Eine Modeschöpferin erzählt:
Foto: Familie in traditioneller Kleidung
"Ich habe mich circa 25 Jahre lang mit
der traditionellen Tracht Hanbok befaßt. Irgendwann begann ich mich
für Ramie-Stoff zu interessieren. Früher wurde Ramie-Stoff nach
China exportiert. Besonders zur Zeit der drei Königreiche waren Kleider
aus Ramie-Stoff weitgehend verbreitet. Ich sammle alte Kleider und habe
dabei festgestellt, daß es für den heißen Sommer keine
besseren Kleider gibt als die aus Ramie-Stoff. Außerdem sind sie
sehr schön und elegant. Besonders attraktiv sind sie, wenn man sie
mit natürlichen Farbstoffen färbt.
Ich liebe die Stadt Hansan, wo der beste
Ramie-Stoff in Korea hergestellt wird. Bei meiner Modeschau im Jahre
1993 habe ich Kleider aus Ramie-Stoff dieser Stadt vorgestellt. Die ausländischen
Modeschöpfer und Käufer waren fasziniert. Sie fragten, woher
ich mir einen so wunderbaren Stoff besorgt hatte.
Diese und viele andere Modeschöpfer
sagen, daß die koreanische Tracht Hanbok auf dem internationalen
Markt gute Chancen hat.
Eine neue Tendenz ist derzeit zu beobachten. Und zwar wird die traditionelle Tracht in modernem Schnitt angefertigt. Die Schönheit eines Hanbok und Bequemlichkeit eines modernen Stils werden zusammengebracht. Man will sich von der einheitlichen Form der westlichen Anzüge befreien und die lockere Struktur der Hanbok-Kleidung wiederbeleben.
Die "Eleganz der Bindens und Lösens"
sowie die einzigartigen Farben, die ein Abbild der Natur sind, faszinieren
die ganze Welt.
Auch im nächsten Jahrtausend wird
die Hanbok-Kleidung als ein kleines Universum, als der Atem der Koreaner
weiter bestehen.
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