Das 20. Jahrhundert
Koreainfo


 
Die japanische Okkupation
Gründung der Republik Korea
Der Koreakrieg
Der Neuanfang
Kim Dae-Jung, der Vorgänger von Präsident  Roh Moo-hyun 
Der Friedensnobelpreis 2000 an Kim Dae-jung

 
 
 
 
 
 

Die japanische Okkupation

Die japanische Besetzung ist ein dunkles uns schmachvolles Kapitel in der koreanischen Geschichte, und auch wenn sich das Verhältnis zu Japan vor allem in den letzten Jahren unter den Nachkriegsgenerationen zu entspannen beginnt,
bleibt ein belastetes Verhältnis und ein unterdrückter Zorn gegenüber Japan, was zuletzt auch durch die bis heute ausgebliebene, offizielle Entschuldigung Japans für sein Unrechtsregime in jener Zeit aufrechterhalten wird.
Als Beispiel für ein weiteres Unrecht seien hier nur die tausende von koreanischen Frauen genannt, die - vom japanischen Militär verschleppt oder unter Vorspiegelung falscher Tatsachen außer Landes gelockt - in den von Japan besetzten Gebieten zur Prostitution in Militärbordellen gezwungen wurdem - und dort unter der Bezeichnung "Trostfrau" geführt wurden.

Nicht gerade geringer werden die Probleme durch erneute nationalistische Tendenzen in einem sich in der Wirtschafts- und Gesellschaftskrise befindenden Japan - vor allem haben die neu aufgelegten Geschichtsbücher in Japan, in denen die Okkupationszeit in Korea verharmlost und geschichtlich falsch (also Japan entlastend) dargestellt werden, wieder für politische Spannungen gesorgt.
 

Okkupation und die Folgen

Kolonisation - egal wo sie auf der Welt und in welcher Form auch immer - betrieben wird, hat die Ausbeutung des okkupierten Landes zur Aufgabe. In den Jahren 1910 bis 1945 war dies in Korea nicht anders.
Japanische Bauern und Fischer erhielten koreanisches Land zu günstigem Preis oder umsonst. Reis wurde nach Japan exportiert, während die Koreaner mit einer sehr großen Nahrungsmittelknappheit zu kämpfen hatten.
Verarmte und besitzlose koreanische Bauern mußten das Land verlassen und hatten in der Fremde kein leichtes Schicksal.

Japan betrieb eine stete Politik der Assimilation der Koreaner an die japanische Kultur. So wurde in koreanischen Schulen Japanisch zur Unterrichtssprache erhoben und die Koreaner wurden gezwungen, japanische Namen anzunehmen. Die Koreanische Sprache wurde unterdrückt. Bauten der Japaner wurden an Stellen errichtet, wo sie symbolträchtig koreanische Kulturstätten, die ja meist in Harmonie mit der Umgebung gebaut waren, absichtlich störten, z.B. in Seoul, dem Sitz der Okkupationsbehörde.
Gleichzeitig wurden Kunstgegenstände und Nationalschätze gestohlen und nach Japan verbracht, wo sie - leider bis heute - verblieben.
Aufgrund eines tief verwurzelten Stolzes und in dem Bewußtsein, daß diese Kolonialisierung wohl nicht ewig andauern könne, erhielten die Koreaner ihre nationale und kulturelle Identität.

Dies war nicht leicht, denn die Diskriminierung im täglichen Leben war ohne Beispiel:
Ein Japaner erhielt für die gleiche Arbeit doppelt soviel Lohn wie ein Koreaner, und Bankkredite waren für Koreaner weitaus höher bezinst als für Japaner.
Leitende Verwaltungsposten wurden ausschließlich von Japanern bekleidet.

Die Polizeiverwaltung und ihre Beamte hatten das Recht, bis zu 12 Wochen Arrest zu verhängen und das Auspeitschen von koreanischen Gefangenen war an der Tagesordnung neben Folter, die vor allem gegen Wiederstandskämpfern angewendet wurden. Die Folge war, daß Abertausende Koreaner ihr Land aus Angst vor Verfolgung verließen. Viele dieser Exilkoreaner siedelten sich in der Mandschurei, in Sibirien, aber auch in Japan selbst an.

Jedoch fügten sich nicht alle Koreaner in ihr Schicksal. Am 1. März 1919 wurde in Seoul im Pagoden- Park von einer Unabhängigkeitskämpfergruppe die Unabhängigkeitsdeklaration verlesen worden, Flaggen wurden gehisst und man marschierte durch die Straßen Seouls. Dabei riefen Sprechchöre: "Lang lebe die koreanische Unabhängigkeit" (Dae-han nongnip manseh). Die "1.März-Bewegung" ging in die Geschichte des Freiheitskampfes Koreas ein, und binnen kurzer Zeit beteiligten sich mehr als 2 Mio. Menschen an insgesamt 1500 abgehaltenen "manseh" - Kundgebungen. Jedoch wurde diese Bewegung durch japanische Polizeikräfte und die Armee niedergeschlagen. Exempel wurden statuiert; ganze Dörfer abgebrannt und auch Kirchen mit Menschen darin angezündet.

Die "Unabhängigkeitsbewegung des 1. März" war der Meilenstein im Kampf Koreas für die Freiheit. Obwohl sie scheiterte, führte sie letztlich zu einer Exilregierung Koreas in Shanghai und auch zu einem bewaffneten Kampf gegen die Okkupatoren Japans in der Mandschurei.

Die Pächter mussten 50 80% der Ernte an den Gutsherrn abliefern und obendrein
verschiedene Steuern und Abgaben entrichten. Korea war die Reiskammer Japans.
Während der Nahrungsmittelverbrauch in den Jahren 1931 1945 um 45% geringer
war als in der Periode 1916 1920, war im gleichen Zeitraum der Reisexport nach
Japan von 14 auf 45% der Produktion gestiegen

Sicherlich brachte die japanische Okkupation mit sich, daß ein Jahrhunderte abgeschottetes Land wie Korea eine bessere Infrastruktur erhielt; auch wurden Brücken z.B. über den Han-gang gebaut und Schulen errichtet. Man sollte, bevor man dies als "Leistung" bezeichnet, jedoch bedenken, daß dies nicht zum Vorteil der Koreaner errichtet wurde, sodern nur dem Zwecke diente, Korea besser auszubeuten und die Koreaner leichter ihrer eigenen Identität zu berauben.
 

Das Ende der Fremdherrschaft und die Gründung der Republik Korea

Am 15. August 1945 endete der Alptraum für die Koreaner mit der bedingungslosen Kapitulation Japans vor den alliierten Streitkräften.

Leider war Japan erst bereit zu kapitulieren, nachdem zwei amerikanische Atombomben Hiroshima und Nagasaki vernichtet hatten und auf diese Weise das Zeitalter der modernen Massenvernichtungswaffen begonnen hatte. Viele Unschuldige wurden bei diesen aus heutiger Sicht verbrecherischen Bombardement, welches ja fast ausschliesslich Zivilisten traf, getötet, und noch heute leiden Menschen an den Spätfolgen der Strahlung.
Für Korea jedoch bedeutete die Kapitulation Japans wiederum das Ende eines 35jährigen Verbrechens der Japaner an ihrem Volk. Korea wurde nach der Kapitulation Japans befreit und gewann seine Unabhängigkeit wieder.

Jedoch blieb ein über Jahrzehnte ausgebeutetes Land zurück: am Ende der  Fremdherrschaft waren gerade einmal 8% des Industriekapitals in koreanischem Eigentum, und auf diese Betriebe entfiel noch 6% des Bruttowerts der industriellen Produktion
In der Landwirtschaft sah es noch schlechter aus: Etwa 90000 Großgrundbesitzer besaßen mehr als die Hälfte der Reisanbaugebiete, wohingegen 2,5 Millionen
koreanische Bauern, winzige Betriebe von etwa 0,5 Hektar bewirtschafteten.

Hinzu kam nun die nach dem Ende des Weltkrieges sich abzeichnende Konfrontation der beiden großen Blöcke: des Westens mit den USA an der Spitze und des Ostens mit der UdSSR (Sowjetunion). Korea erlitt im folgenden als gänzlich am Kriege unschuldiges Land nunmehr annähernd dasselbe Schicksal, daß im "fernen Westen" das Staatsterritorium jenes ehemaligen "Deutsche Reiches" erfuhr: die Aufteilung in verschiedene Interessensphären. Die Sowjetarmee besetzte den nördlichen Teil der koreanischen Halbinsel, während die US-Streitkräfte den südlichen Teil okkupierten.

Am 10. Mai 1945 wurden im südlichen Teil allgemeine Wahlen abgehalten, und am 15. August  wurde die "Taehan Minguk " oder "Republik Korea" (Südkorea) offiziell gegründet. Seoul wurde zur Hauptstadt ernannt und Syngman Rhee erster Präsident.
Beinahe Zeitgleich wurde im Norden durch die Sowjetunion ein kommunistisches System mit Kim Il-Sung als "Führer" installiert. Der 9. September 1948 ist der Gründungstag der "Choson Minjujuui Jnmin Kongwhaguk" oder "Demokratische Volksrepublik Korea". Pyongyang wurde Hauptstadt Nordkoreas.
 

Der Koreakrieg

Die beiden Staaten standen sich von Anfang an konträr gegenüber, was vor allem auf die unterschiedlichen politischen Systeme zurückzuführen war.

Am 25. Juni 1950 brach der Koreakrieg aus. Nordkoreanische Truppen drangen über die Trennungslinie der beiden Teilstaaten in den Süden vor.
Nach anfänglichen Erfolgen der nordkoreanischen Streitkräfte, die in einer Großoffensive den südlichen Teil Koreas überrannt, Seoul faktisch dem Erdboden gleichgemacht und bis nach Pusan vorgedrungen waren, wurden sie von der Armee der Vereinten Nationen wieder zurückgeschlagen und bis zum Fluss Amnokkang
zurückgedrängt.
Als die Volksrepublik China daraufhin intervenierte, wurde eine Patt-Situation in der Nähe des 38. Breitengrades geschaffen. Der Koreakrieg wurde durch eine Waffenstillstandserklärung am 27. Juli 1953 beendet. Bis heute gibt es keinen Friedensvertrag, sondern nur diesen Waffenstillstand.

Das Land war in drei Kriegsjahren völlig verwüstet und jede Wirtschaftsstruktur vernichtet worden.

Die schlimmen, humanitären Folgen des Krieges wirken bis heute nach: Der Bruderkrieg hatte nicht nur die Teilung verfestigt, sondern auch Familien zerrissen und bleibend getrennt, denn es gab keinerlei Kontakt zwischen den Verwandten - bis in die jüngste Geschichte.
 

Die Lage nach dem Koreakrieg - ein Neuanfang

Das Südkorea nach dem Koreakrieg bis in die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts kann aus heutiger Sicht kaum als demokratisch bezeichnet werden. Zwar wurde die Gewaltenteilung in der Verfassung festgelegt und nach außen hin existierte ein gewähltes Parlament, jedoch zeigt die Geschichte Koreas sich vor allem durch extrem starke Präsidenten mit beinahe diktatorischer Machtfülle gegenüber einem schwachen Parlament aus. Die politische Ausrichtung Südkoreas war als "Gegenpol" zum Kommunistischen Norden zu verstehen und damit ging Hand in Hand die politische Anlehnung an den Westen (und vor allem an die USA), woraufhin diese entsprechende Unterstützung in Form von "Schutztruppen", die in Südkorea stationiert waren bzw. sind, stellten. Eine Demokratie nach unserer (europäischen) Lesart war die Republik Korea aber in jenen Tagen damit noch lange nicht, sondern eher ein "Bollwerk" gegen "den" Kommunismus.
Die als Folge des Koreakrieges erforderliche Stationierung von US-Truppen (und UN-Beobachtertruppen in der Demilitarisierten Zone) diente Nordkorea allenthalben als Möglichkeit, wiederum sein Feindbild von einem durch fremde Truppen "besetzten" Bruderstaat zu pflegen, um seinerseits entsprechend aufzurüsten - auf Kosten der eigenen, Hunger und Not leidenden Bevölkerung. Denn die Ressourcen und Möglichkeiten Nordkoreas wurden vor allem dafür aufgewendet, eine starke Militärstreitmacht aufzubauen, wohingegen alle anderen wirtschaftlichen Maßnahmen zurück zu stehen hatten.
Die politische Situation jener Zeit ist durchaus vergleichbar mit der im damaligen Deutschland, wo sich an der Nahtstelle zwischen Westen und Osten der "Eiserne Vorhang" nach dem zweiten Weltkrieg auf die Bühne Europas gesenkt hatte. Anstelle einer Nachkriegszeit erlebte man in Europa als auch auf der koreanischen Halbinsel einen "kalten Krieg" - mit dem Unterschied, daß im Laufe der Zeit in Europa Tauwetter einsetzte, wohingegen bis in die jüngste Zeit in Korea die Temperatur am "absoluten Nullpunkt" blieb.

Der erste Präsident Südkoreas, Syngman Rhee regierte in der zweiten Hälfte der 50er Jahren weitestgehend autokratisch. Gegen ihn fanden Proteste statt; dann kumulierten die Unruhen in der  so genannten ,,Revolution vom 19. April", welche schließlich zum Rücktritt Syngman Rhees führte.

Die 2. Republik mit dem Ministerpräsidenten Chang Myon und Präsident Yun Po-sun etablierte sich nach einer Verfassungsänderung.

Am 16. Mai 1961 übernahm das Militär nach einem Putsch die Regierungsgewalt unter General Park Chung Hee. Er ließ sich zu einem späteren Zeitpunkt zum Präsidenten wählen. Bezeichnend  für seine Politik war die rasche wirtschaftliche Entwicklung, die in den 60ern des 20. Jahrhunderts ihren Anfang nahm. Noch heute ist der wirtschaftliche und rasante Aufstieg Koreas, daß sich in knapp 30 Jahren vom Agrarland zur Industrienation westlicher Prägung (bei Beibehaltung eigener, asiatischer Tradition) gewandelt hat, als das "Wunder vom Han-Fluss" bezeichnet (eine semantische Anlehnung an das "Wunder vom Rhein" - dem Aufstieg der deutschen Wirtschaft nach dem 2. Weltkrieg).

1972 wurde unter dem immer noch regierenden (Militär-)Präsidenten Park erneut die Verfassung geändert, die 4. Republik wurde proklamiert, mit dem "System der wiederbelebenden Reformen" (Yushin-System ). Durch diese Verfassungsänderung erhielt der Präsident beinahe unumschränkte Macht. Die Unzufriedenheit mit den wirtschaftlichen Gegebenheiten (wenig Rechte für Arbeitnehmer, Vorteile für die Arbeitgeber), einhergehend mit politischer Unterdrückung führten zur Ermordung des
Präsidenten Park.

Ministerpräsident  Choi Kyu-hah wurde amtierender Präsident. Doch dieser wirderum wurde nach kurzer Amtszeit wiederum vom Militär weggeputscht: in einem Staatsstreich ergriff am 12. Dezember 1979 General Chun Doo-Hwan Macht. Auch dieser ließ sich später zum Präsidenten wählen. Dies geschah am 27. August 1980,
 

Die Demokratiebewegung von Kwangju

Mai 1980 protestierten Studenten gegen die Amtsführung des Präsidenten Chun. Die Bewegung erhhielt rachen Zulauf, jedoch kam es zu starken Auseinandersetzungen mit Truppen, die entsendet worden waren, um die Aufsatände unter Kontrolle zu bringen. Viele Menschen wurden verletzt und getötet. Durch das brutale Vorgehen der Militärs wurde eine breite Öffentlichkeit gegen das herrschende Regime mobilisiert, und als Folge entstand eine Demokratiebewegung, die eben in jener, heute bekannten "Kwangju Demokratiebewegung" ihre Wurzeln hatte. Längst waren jedoch nicht nur Studenten in dieser Bewegung der 80er Jahre organisiert; mittlerweile schlossen sich ganz normale Bürger, Hausfrauen, Arbeiter und Oppositionelle an.
Eine der Hauptforderungen dieser Bewegung war, den Präsidenten durch direkte Wahlen vom Volke wählen zu lassen.

Der Führer der regierenden "Demokratischen Gerechtigkeitspartei" (DGP), Roh Tae Woo, gab am 29. Juni 1987 die ,,Erklärung politischer Reformen vom 29. Juni" bekannt. In dieser Erklärung  wurden die direkte Wahl eines Staatspräsidenten vorbereitet.  Jedoch führten politische Probleme innerhalb der Opposition zu deren Schwächung, und Roh Tae Woo konnte daraus seinen Vorteil ziehen; er wurde zum
Präsidenten der 6. Republik gewählt.

Vom 17. September bis zum 02. Oktober 1988 fanden in Korea die XXIV.Olympischen Spiele statt. Dieses internationale Großereignis war außerordentlich erfolgreich und rückte Korea nach Reportagen über Studentenunruhen und Truppeneinsätzen mit nunmehr positiven Berichten aus der Welt des Sports in den Blickpunkt des Weltinteresses. Die Regierungszeit Präsident Roh´s ist zudem gekennzeichnet durch Maßnahmen, welche die autoritären Züge der Zentralregierung mildern sollten.
 

Kim Young-Sam trat am 25. Februar 1993 die Nachfolge von Präsident Roh an, Kim war seit über 30 Jahren der erste zivile Präsident, d.h. er hatte keine militärische Vergangenheit.
 

Kim Dae-jung und die aktuelle politische Entwicklung in Korea

Im Dezember 1997 wurde Kim Dae-jung zum Präsidenten gewählt; ein Oppositionspolitiker, der viel Jahre gegen die Militärmacht gekämpft hatte und auch selbst körperliche Leiden ertragen mußte. Am 25. Februar 1998 erfolgte seine Amtseinfühung. Seine Regierung bezeichnet er symbolträchtig als ,,Regierung des Volkes". Seine Amtsübernahme war der erste friedliche Machtwechsel seit 1945 und Koreas endgültiger Schritt in die Demokratie.

Präsident Kim Dae-Jung ist in der Welt ein anerkannter und geachteter Politiker, in Fachkreisen wird er aufgrund seiner Haltung zum nördlichen Bruderstaat, in dessen Mittelpunkt die Aussöhnung anstelle der Spaltung steht, auch als "Schüler Willy  Brands" bezeichnet.
Ihm traut man am ehesten zu, einen Prozeß einzuleiten, den der frühere Bundeskanzler Willy Brand in den 70er Jahren in Deutschland begann - damals gegen erbitterten Widerstand der christdemokratischen Opposition -  und der später als "Ostpolitik - Wandel durch Annäherung" Erfolg hatte, damit weltbekannt wurde und heute als Grundstein für die schließlich vollzogene Deutsche Einheit gilt.

Die politische Haltung Kims trug auch dazu bei, daß er seit 1978 bereits mehrmals für den Friedensnobelpreis nominiert war.

Kims Regierungsantritt gestaltete sich als ungemein schwierig, fiel er doch in eine eine Zeit schwerster wirtschaftlicher Rezession, die ganz Asien erfaßt hatte und als "IWF-Krise" bekannt wurde. Durch konsequente Konsolidierungspolitik - und nicht zuletzt auch dank sinnvoller, wenn auch innenpolitisch kritisierter, da unpopulärer Maßnahmen - konnte Korea schließlich diese Krise überwinden und das Vertrauen der Weltwirtschaft wieder herstellen.

Am 15. Juni 2000 wurde ein neues Kapitel in den Innerkoreanischen Beziehungen aufgeschlagen: durch den Besuch von Kim Dae-jung in Pyongyang und dem Treffen mit Nordkoreas Führer Kim Il-Sung und der von beiden Staatschefs ausgearbeiteten Fünf Punkte Deklatarion besteht die Möglichkeit, daß die beiden koreanischen Teilstaaten auf lange Sicht ihr Mißtrauen überwinden, sich wirtschaftlich, humanitär und politisch näher kommen und die Wahrscheinlichkeit größer wird, daß die letzte geteilte Nation dieser Welt eine friedliche Wiedervereinigung erlangen kann.

Diesem ersten Gipfeltreffen folgten konkrete Maßnahmen im Rahmen einer Annäherung der beiden Teilstaaten auf der koreanischen Halbinsel: mehrere zeitlich begrenzte Zusammenführungen einiger seit nunmehr 50 Jahren getrent lebenden Familien fand statt und auch die noch getrennte Eisenbahnstrecke zwischen Seoul und Pyongyang soll wieder hergestellt werden. Auch wurde im März/April 2001 ein Briefaustausch zwischen Nord- und Südkorea erstmals wieder ermöglicht und Verbindungsbüros beider Seiten in Panmunjom eingerichtet.

Am 13. Oktober 2000 gab das Nobelpreiskomitee bekannt, daß Präsident Kim Dae-jung den Friedensnobelpreis 2000 erhalten habe.


 

Friedensnobelpreisträger 2000:   Kim Dae-Jung







Das norwegische Nobelkomitee begründete in Oslo die Vergabe an den 75-jährigen Staatsmann mit dessen Arbeit für Demokratie und Menschenrechrte in Südkorea und Ostasien insgesamt.

Der Vorsitzende des Nobelkomitees, Gunnar Berge, verglich die Vergabe an Kim Dae-Jung mit dem Friedensnobelpreis 1971 für den damaligen Bundeskanzler Willy Brand: "Beide haben Entscheidendes für den Abbau von Folgen des Kalten Krieges geleistet". Brandt war 1971 für seine Versöhnungspolitik gegenüber den Ländern Osteuropas ausgezeichnet worden. Zu Kims Würdigung erklärte das Komitee in Oslo:
"Sein Besuch in Nordkorea gab den Anstoß zu einem Prozeß, mit dem die Spannungen zwischen den beiden Ländern vermindert werden. Nun gibt es Hoffnung, daß der Kalte Krieg auch in Korea beendet werden kann".

Kim Dae Jung war seit 1978 als Menschenrechtler jedes Jahr offiziell für den Friedensnobelpreis nominiert worden. Er war dabei in der Opposition gegen die autoritäre Regierungsform seines Landes aktiv, wurde wegen angeblicher Umsturzpläne 1980 zum Tode verurteilt und mußte mehrere Jahre ins Exil.

Seit er 1997 als vom Volk frei gewählter Präsident Südkoreas vereidigt wurde, hat er mit seiner "Sonnenscheinpolitik" versucht, mehr als 50 Jahre Krieg und Feindseligkeit zwischen den beiden koreanischen Teilstaaten zu überwinden. Diese Aussöhnungspolitik hat bereits in wenigen Monaten dramatische Veränderungen auf der Halbinsel bewirkt: seit dem historischen Gipfeltreffen mit Kim Jong Il, dem Machthaber Nordkoreas, schweigt die Propagandamaschinerie des Nordens, und auch propagandistische Radiostationen aus dem Süden wurden abgeschaltet. Die Verteidigungsminister beider Teilstaaten haben vertrauensbildende  Maßnahmen beschlossen. Ein erster Besuchsaustausch getrennt lebender Familien wurde durchgeführt, der zweite bereits fest geplant. Auch soll bald ein Postverkehr eingerichtet werden. Verbindungsbüros wurden an der Demarkationslinie der beiden koreanischen Teilstaaten am 38. Breitengrad aufgebaut und auch die bislang getrennte Eisenbahnverbindung soll innerhalb des nächsten Jahres wieder hergestellt werden. Umfangreiche Minenräumarbeiten werden in Angriff genommen. Eine erfolgreiche Zwischenbilanz  für eine relativ kurze Politik der Aussöhnung, welche Konfrontation und Feinddenken überwinden soll. Ganz in diesem Sinne zogen dann auch die beiden koreanischen Olympiamannschaften in Sydney bei der Eröffnung gemeinsam unter der Flagge der koreanischen Halbinsel und zu den Klängen des im Norden wie im Süden beliebten wie bekannten Volksliedes "Arirang" ins Stadion unter großem Beifall aller 110000 Zuschauer ein.

Innenpolitisch stand Präsident Kim Dae Jung vor einer fast bankrotten Wirtschaft. Die IWF/Asienkrise hatte 1997 auch Südkorea voll erfaßt. Er  - und natürlich das koreanische Volk - schafften es jedoch gemeinsam, die Krise in enorm kurzer Zeit - auch unter Aufbringung großer Opfer - zu meistern.

Bis zum 24.2.2003 war Kim Dae-Jung Präsident der Republik Korea. Da das Amt des Präsidenten nur auf 5 Jahre vergeben wird und eine Neuwahl nicht vorgesehen ist wurde sein Nachfolger Roh Moo-hyun.
 

Kurzbiografie:

Das Leben des Friedensnobelpreisträgers ist geprägt vom Kampf gegen Unfreiheit und Repressalien. Der 1925 auf der Insel Ha Enido geborene Landwirtssohn besuchte bis 1943 eine Handelsschule und arbeitete dann in einem Schifffahrtsunternehmen.
1961 errang er einen Platz in der Nationalversammlung.
Vier Tage später kam der Putsch von Militärdiktator Park Chun Hee, der das Parlamentsgebäude schloß. Damit begannen 26 Jahre Militärherrschaft - der Kampf vieler Koreaner gegen die politische Unfreiheit - und für Kim ein Leben als Dissident. Er setzte sich für Reformen und Demokratie ein, und erreichte 1971 bereits 45 Prozent der Stimmen bei seiner ersten Präsidentenkandidatur. Jedoch wurde er immer wieder gefangen genommen und gefoltert. In seinem Leben hat Präsident Kim vier politisch motivierte Mordversuche und ein Todesurteil überlebt.
In der Mittelschicht des Landes galt er früher als Linker, und auch die "Elite" mißtraute ihm. Beim "kleinen Mann" jedoch war Kim populär. Nach der Ermordung Park Chun Hees in 1979 kam mit Chun Doo Hwan erneut ein General an die Macht. Bei den folgenden Massenprotesten wurde Kim verhaftet und wegen angeblicher Umsturzpläne zum Tode verurteil. Als westliche Staaten intervenierten, mußte er ins Exil in die USA. Bis 1985 blieb er dort, ging dann aber wieder zurück nach Südkorea. Er gehöre dorthin, wo der Kampf für Demokratie geführt werden müsse, meinte er in Interviews. Hausarrest und Repressalien folgten.
1987, zu den ersten freien Wahlen, erhielt er seine politischen Rechte wieder. Nach einer Wahlniederlage gegen General Roh Tae Woo und 1992 gegen Kim Young Sam erklärte er seinen Rückzug aus der Politik.
Doch zwei Jahre nach seinem Rückzug feierte er ein Comeback - "aus Enttäuschung gegen die Regierung" hatte er sich zurück gemeldet. Politisch gemäßigt und auch den Konservativen gegenüber offener begann ein neues Kapitel im Kampf um die Macht. 1997 wurde er zum Präsident Südkoreas gewählt, mitten in einer der schwierigsten Wirtschaftskrisen Südkoreas. Die Krise wurde überwunden, ein neues Sozialversicherungssystem etabliert und die Verflechtung von Wirtschaft und Politik bekämpft.
Auch im Verhältnis zu Nordkorea wurde die Versöhnung unter dem Titel "Sonnenscheinpolitik" angestrebt. Fernziel bleibe nach Kims Aussage die Wiedervereinigung der Teilstaaten, wie nach dem deutschen Vorbild; eine Aufgabe, die er jedoch bei einem seiner Nachfolger sieht. Seine Aufgabe sei es, den Kalten Krieg zu überwinden.

Präsident Kim Dae-Jungs politisches Lebenswerk: die Sonnenscheinpolitik und sein Engagement für die Menschenrechte wurde jetzt im Jahr 2000 vom Nobelpreiskomuitee ausgezeichnet.

(c) thomas schneider
Quellen: Tageszeitungen und Internet-News Okt/Nov 2000
aktualisiert 2/2003